Interview mit Helga Winkenbach: „Yaa Soma“


Kuchenverkauf für den guten Zweck


Freundlich wird man von Frau Winkenbach mit burkinischem Tee und Nüssen empfangen. Das Wohnzimmer beherbergt kleine afrikanische Schätze, Geschenke von den vielen Reisen nach Burkina Faso, die Frau Winkenbach die Jahre über angetreten hat. Sie vermittelt ein Stück Kultur und schenkt uns einen wertvollen Einblick in die Arbeit des Freundeskreises Yaa Soma.

„Woher kam das Interesse eine Organisation wie Yaa Soma ins Leben zu rufen?“

Schon als Kind hat mich Afrika fasziniert, ich erinnere mich noch genau, wie ein Bild mit zwei afrikanischen Kindern an meiner Kinderzimmertür hing. Zunächst war ich bei Focus aktiv und irgendwann beschlossen andere Mitglieder und ich, einen eigenen Freundeskreis aufzubauen, der sich für die Kinder und deren Bildung in Burkina Faso einsetzt.

„Und was genau motiviert Sie ein solches Ehrenamt zu tragen?“

Es ist der Wunsch, da wo Not herrscht,  etwas ändern zu wollen und der Freundeskreis „Yaa Soma“ bietet eine wunderbare Möglichkeit dafür. Außerdem hatte ich selbst eine sehr schöne Kindheit und genau das möchte ich auch für andere Kinder– eine Kindheit, die ihnen guttut.

Yaa Soma 2


„Wie war der Weg von der Idee bis zur Umsetzung von Yaa Soma?“

Wir hatten bereits lange Zeit Kontakt zu Lehrern in Burkina Faso, das vereinfachte vieles. Aber natürlich stand vor allem die Geldfrage im Vordergrund, denn genau damit ist es uns möglich, Materialen wie Schulbücher und Schulbänke in Burkina Faso zu finanzieren. Doch mit Hilfe der Spenden von Viernheim, sowie der Unterstützung unserer Freunde in Burkina Faso konnten wir das angehen.

„Was zeichnet Yaa Soma vor allem aus?“

Für uns ist vor allem das Kooperieren und die Kommunikation auf Augenhöhe mit unseren Mitgliedern in Burkina Faso wichtig. Projektwünsche kommen direkt von der Basis. Wir unterscheiden uns von anderen Organisationen vor allem darin, dass wir ein gleichberechtigter deutsch-burkinischer Freundeskreis sind. Die Freude zu helfen, dass ist es, was uns alle verbindet. Die Lehrer in Burkina möchten den dortigen Kindern etwas von dem zurückgeben, was sie selbst in ihrer Kindheit hatten: Schulbildung. So haben wir alle die gleichen Beweggründe, Schulkindern eine bessere Förderung zu ermöglichen.  Auch mit dem Namen Yaa Soma, was bedeutet: „es gut ist“, wollen wir zeigen, dass die Menschen von Burkina Faso kein Volk des Jammerns sind und das Jammern nicht hilft, sondern wir und auch die Menschen in Burkina Faso handeln. Und für uns hier in Viernheim gilt die Maxime: Wir stehen unter keinem Druck, jedes Mitglied teilt seine Zeit frei ein. Wenn man sich einbringen kann ist das prima, wenn es einmal nicht geht, ist das auch okay.


„Wieso steht bei Yaa Soma die Bildung im Vordergrund?“

Bildung ist der Schlüssel zu allem. Nehmen wir das Samenpäckchen als Beispiel. Um Pflanzen für die Ernährung anzubauen, müssen die Menschen lesen können was auf dem Päckchen steht, damit die Pflanzen richtig gedeihen können. Und auf Märkten müssen die Menschen wissen, ob sie richtig Wechselgeld bekommen haben. Auf diese kleinen Dinge kommt es an und wir helfen dabei das umzusetzen.

 Yaa Soma 5  „Welche aktuellen Projekte betreiben Sie und wie werden diese finanziert?“

Die Projekte orientieren sich danach, wo vor allem nach der Meinung unserer burkinischen Mitglieder vor Ort der größte Handlungsbedarf ist. Wir stimmen dann gleichberechtigt darüber ab, wo wir aktiv werden möchten und wie groß unser Handlungsspielraum ist. Aktuell fehlt es in vielen Schulen vor allem an Schulbänken und Schulbüchern. Viele Schulen haben wir im letzten Jahr mit stationären Wasserbehältern ausgerüstet. Derzeit gibt es zwei Pilotprojekte, zum einen die Schulspeisung und zum anderen Erste-Hilfe-Koffer für eine schnelle Versorgung an den Schulen.

Die Haupteinnahmequelle für unsere Projekte sind natürlich die privaten Spenden, doch auch durch Aktionen wie der Spendenlauf der Goetheschule oder die Unterstützung von Makerspace in Viernheim konnten wir viele unserer Projekte realisieren. Wir nehmen auch immer mal wieder an kleinen Flohmärkten in der Umgebung teil. Unseren finanziellen Durchbruch hatten wir im November 2014 mit unserem Hoffest. Dort wurden allerlei handgemachte Kunstartikel verkauft, es war in der Summe ein Riesenerfolg. Darum haben wir uns entschlossen, jedes Jahr ein Hoffest zu veranstalten, dieses Jahr wird es am 10. Juni stattfinden. Alle sind herzlich eingeladen.
   


„Welche Erfolge konnten Sie (auch persönlich) mit Yaa Soma verbuchen?“

Zunächst ist da erstmal die Anzahl an Schulen, die wir bisher unterstützen konnten, derzeit sind es gut 20. Natürlich bereitet es jedem von uns Freude zu sehen, was wir bisher erreichen konnten. Dass  Kinder auf Schulbänken mit einem Schulbuch in der Hand sitzen, dass sie sich im Klassenzimmer ihre Hände waschen können etc. Es ist ein tolles Gefühl von dem ganzen Dorf freudig empfangen zu werden und zu spüren, dass die Menschen es sehr wertschätzen, was mit der Hilfe von so vielen erreicht werden konnte.

Yaa Soma 1

„Was sind Ihre Ziele in der Zukunft?“


Wir möchten vor Ort etwas Nachhaltiges schaffen. Jedes einzelne Schulkind in Burkina Faso, das durch die Unterstützung von Yaa Soma bessere Lernbedingungen hat, zählt.  Mit weiteren Pilotprojekten an anderen Schulen wie die Erste-Hilfe-Koffer oder die Schulspeisung wollen wir den Kindern zu besseren Lernbedingungen verhelfen.  Darüber hinaus möchten zwei Lehrerinnen aus Burkina Faso uns in der Zukunft besuchen, sie sparen schon fleißig. Das verbindet uns dann noch enger. Wir denken aber vor allem an das „Hier und Jetzt“, denn Yaa Soma bedeutet für uns: „Was wir heute machen ist gut“.

 Am 16.04.2016 veranstalten die Jusos Viernheim von 9 bis 12 Uhr einen Kuchenverkauf, dessen Erlös an den deutsch-burkinischen Freundeskreis Yaa Soma gespendet wird.  Yaa Soma hat bis jetzt schon 20 Schulen in Burkina finanziell unterstützen können. Somit konnte sichergestellt werden, dass vielen burkinischen Kindern Schulbücher, Schulbänke und sogar ein warmes Mittagessen zur Verfügung steht. So steht vor allem die Unterstützung von Bildungsinstitutionen im Vordergrund des Freundeskreises, um nicht nur die Grundbedürfnisse zu sichern, sondern vor allem eine berufliche Zukunft in Aussicht zu stellen.
„Wir finden es toll, dass sich der Freundeskreis Yaa Soma so engagiert um die burkinischen Kinder kümmert und finden, dass dies honoriert werden sollte. Oftmals ist dies die einzige Chance für viele Kinder  eine Schulbildung zu erhalten. Als Jungsozialisten liegt es gerade uns sehr am Herzen, dass Chancengleichheit gewährt werden kann und der Teufelskreis von Armut durch Bildung durchbrochen wird. Deswegen würde es uns sehr freuen, wenn möglichst viele Leute unseren Kuchenstand, am kommenden Samstag besuchen würden. Außerdem würden wir es sehr zu schätzen wissen, wenn Kuchenspenden an unserem Stand abgegeben werden“, erklärt Hussein Atris, Geschäftsführer der Jusos Viernheim.
Das Besondere an dem Freundeskreis ist, dass alle Mitglieder gleichberechtigt sind und man auf Augenhöhe mit den burkinischen Mitgliedern kommuniziert, ohne ein Gefühl von Abhängigkeit zu schaffen.
„Wir wollen solche Projekte unterstützen, da genau das unsere Philosophie ist. Das soziale Miteinander und die Kommunikation sind für uns gleichermaßen eine Maxime. Wir Jusos erhoffen uns von dem Verkauf, dass wir diese tolle Initiative Yaa Soma so gut es geht zu unterstützen, denn Bildung sollte auch in Burkina Faso ein Privileg sein, zu dem jeder Zugang haben kann“, bekennt Nathalie Burkert, Juso-Mitglied, abschließend.
 




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